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 Freiwilliger Drill in der Gruppe – Personal Training im Freien
Fitness | 18.02.2016

Fitness-Trend Bootcamp – so ist er entstanden

Freiwilliger Drill in der Gruppe – Personal Training im Freien

.  (Quelle: Thinkstock)
Gruppendynamik und Coach fordern maximalen Einsatz
Bild: Thinkstock
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Fitness-Übungen und frische Luft, das passt gut zusammen. So zieht es immer mehr Menschen zum Sport in die freie Natur. Alte Trimm-dich-Pfade und neue Fitness-Parcours werden genutzt, ebenso wie Wiesen und Wege im Stadtpark. Sichtet man kleine Gruppen mit Trainer, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Fitness-Bootcamps – ein Trend, der Deutschland vor etwa fünf Jahren erreicht hat.


Man sieht sie meist sehr früh am Morgen oder nach Feierabend mitten in der Stadt, in Parks und auf öffentlichen Grünflächen: Sportlich gekleidete Gruppen, die sich sichtlich schinden. Wo andere Spazierengehen oder den Hund ausführen, bringen sich die sogenannten Booties freiwillig bis an den Rand der Erschöpfung. Sie tauschen die Fitnessstudio-Atmosphäre gegen die frische Luft in freier Natur, und das bei jedem Wind und Wetter. Alles, was ihnen in die Quere kommen könnte, wird einfach ins Trainingsprogramm integriert: Mauern, Treppen, Parkbänke, kleine Flüsse. Kann man nicht überall rüber-, rauf- und runterspringen - und zwar ganz oft und ganz schnell hintereinander? Der Trainer ist unerbittlich. Auch dafür hat man beim Fitness-Bootcamp schließlich bezahlt.

Fitness auf Kommando

Wer mit dem Begriff Bootcamp zunächst den körperlichen Drill beim US-amerikanischen Militär und in Besserungsanstalten für schwer erziehbare Jugendliche assoziiert, liegt nicht ganz falsch: Der Fitness-Trend hat tatsächlich seine Wurzeln im harten Training der US-Army, mit dem auch versucht wurde, kriminelle Kids wieder auf den rechten Weg zu bringen. Nach diesem fragwürdigen Vorbild der Grundausbildung bei der US-Armee, das auch auf Qual und Demütigung basiert, lässt sich seit der Jahrtausendwende in New York eine masochistisch angehauchte Fitness-Community durch den Central Park und über die Brooklyn Bridge jagen - und begründete damit den Trend des Fitness- Bootcamps.

Gerade die militärische Herkunft sorgt beim Fitness-Bootcamp für eine ganz spezielle Aura. So wirbt der einstige US-Kampfsportler Billy Blanks auf seiner DVD "Billys Bootcamp“ damit, man könne mit seinen Übungen die körperliche Fitness eines US-Marines aufbauen. Von Amerika schwappt die Fitness-Welle schon bald nach Australien und Europa über, hier zunächst nach Großbritannien. Einen Riesenerfolg hat dort seit nunmehr 13 Jahren die Londoner Firma British Military Fitness, die Sportler von Trainern in Uniform drillen lässt. Der knallharte Army-Style kommt offenbar an und ließ Unternehmensgründer und Ex-Major Robin Cop mittlerweile zum Inhaber eines Fitness-Imperiums aufsteigen.

Germany wählt die sportlichere Variante

In Deutschland hört man seit 2010 von ersten Fitness-Bootcamps. Im Kölner Stadtpark trifft sich Diplom-Sportwissenschaftlerin Saskia Hermannsdörfer anfangs mit einer Gruppe von Frauen, die “bikinifit“ werden will. Die Idee schlug dermaßen ein, dass Hermannsdörfer weitere Kurse veranstalten kann, die Firma Original Bootcamp gründet und ein bundesweites Trainernetz aufbaut. Gebrüllt und gedrillt nach militärischer Manier wird hier allerdings nicht, sondern mit guter Laune von Fachleuten angeleitet und motiviert, motiviert und nochmals motiviert.


Ran ans Limit

Fitness-Bootcamp bedeutet hochintensives Functional Training in freier Natur, das mit Eigengewichtsübungen und einfachen Hilfsmitteln auskommt. Häufig wird mit Thera-Bändern und Springseilen gearbeitet, einige Trainer bringen auch Kugelhanteln und Medizinbälle ein. Viele Kurse kombinieren Krafttraining und Ausdauer mit dem Abnehmen durch eine Ernährungsumstellung. Ihr Gewicht zu reduzieren, ist für die meisten Teilnehmer die Hauptmotivation, an einem Fitness-Bootcamp teilzunehmen.

Während des Camps wacht der Trainer streng darüber, dass jeder Bootie seinen Möglichkeiten entsprechend bei allen Übungen bis an die eigene Grenze geht – das ist Personal Training in der Kleingruppe. Die Kosten werden geteilt, damit ist der Preis für den Einzelnen deutlich günstiger als beim Individualtraining. Original Bootcamp wirbt mit Preisen von 11 Euro pro Stunde. Einzelstunden sind jedoch nicht zu haben, sondern nur Pakete. Bei Original Bootcamp geht ein Kurs über 16 Stunden, die idealerweise an zwei regelmäßigen Terminen pro Woche innerhalb von acht Wochen absolviert werden sollen.

Großstadt-Trend

Die meisten Anbieter von Fitness-Bootcamps sind in größeren Städten zu finden, da sich dort am ehesten eine Gruppe Gleichgesinnter für einen gemeinsamen Termin findet. Nicht wenige Teilnehmer entscheiden sich nach dem ersten Kurs gleich für ein zweites Fitness-Bootcamp. „Das größte Plus dieser Acht-Wochen-Camps ist für mich neben dem Preis und der Flexibilität definitiv das Gruppengefühl“, sagt ein Teilnehmer von Original Bootcamp bei FitForFun. „Du bist für diese Zeit ein eingeschworener Haufen, der zusammen durch dick und dünn geht und sich ständig selbst pusht.“ Allein an den Standorten von Original Bootcamp trainieren gleichzeitig mehr als 2.000 Menschen.

Inzwischen gibt es Fitness-Bootcamps in jeder nur erdenklichen Form und Dauer: vom Earlybird- bis zum Feierabendkurs, speziell für Singles, Studenten, Mamis oder die Zielgruppe 50+, vom Wochenend-Crashkurs bis zum Extremsport-Urlaub an den schönsten Stränden der Welt: als Bikini-Bootcamp, Braut-Bootcamp, Paar-Bootcamp ... viel von der schönen Gegend sehen die Teilnehmer allerdings meist nicht. Aber schlanker und fitter sind sie nach der Reise. Wenn das nichts ist.
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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