ISPO.com is also available in English ×
 Running von seiner kuriosen Seite
Running | 08.02.2016

Marathon-Anekdoten

Running von seiner kuriosen Seite

.  (Quelle: Thinkstock )
Nichts geht mehr – von den Mühen des Marathon-Laufs
Bild: Thinkstock
Artikel teilen:
Artikel bewerten:
Der Marathonlauf ist seit 1896 olympisch, zumindest was die Herren betrifft. Mehr als 100 Jahre – da bleibt es nicht aus, dass sich am Rande des Geschehens auch viel Komisches oder Tragisches ereignet. Einige besondere Momente aus den Anfangsjahren haben wir hier zusammengestellt.


Kampf um die letzten Meter

Der Italiener Dorando Pietri, ein Pizzabäcker aus der Emilia-Romagna, ging 1908 als tragischer Held in die Olympiageschichte ein. Wider Erwarten gelang es dem damals 22-Jährigen, sich vor dem Einlauf ins Londoner White City Stadium von der Konkurrenz abzusetzen. Er lief als Führender vor 75.000 begeisterten Zuschauern in die Arena ein, allerdings völlig am Ende seiner Kräfte. So verlor er zunächst taumelnd die Orientierung und wäre ohne die deutliche Weisung der Offiziellen in die falsche Richtung gerannt. Als man Pietri schließlich den richtigen Weg gewiesen hatte, brach er zusammen, rappelte sich jedoch wieder auf und schaffte es bis rund 300 Meter vors Ziel. Hier versagten ihm erneut die Kräfte, er sank zu Boden, kam wieder auf die Beine und brach nach wenigen Metern zusammen – wohl um die fünf Mal insgesamt. Schließlich zeigten die anwesenden Ärzte, Kampfrichter und Journalisten ein Herz und halfen dem vermeintlichen Olympiasieger über die Ziellinie. Erlaubt war dies allerdings nicht – und der Zweitplatzierte, der US-Amerikaner John Hayes, der das Stadion zu diesem Zeitpunkt nun auch erreichte, legte Protest ein. Mit Erfolg. Der Olympiasieger im Marathon 1908 kam aus den USA. Pietri wurde disqualifiziert und ging so auch ohne Platzierung aus. Gelohnt hat sich sein Einsatz beim Laufen dennoch: Die Queen stiftete ihm einen eigenen Pokal und für die weltweite Presse stand der Sieger fest: Dorando Pietri.

Was lange währt, wird endlich gut

Was für eine Ehre! Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm durfte der Japaner Kanaguri Shisō sein Land erstmals beim Marathon vertreten. Nach beschwerlicher Anreise – mit Schiff und Eisenbahn dauerte es stolze 18 Tage – ging er schließlich optimistisch an den Start. Schwedens Hauptstadt verwöhnte die Läufer an diesem Sommertag allerdings mit 25 Grad im Schatten, was für viele Athleten des Guten zu viel war. Auch Kanaguri Shisō hatte mit sich zu kämpfen und nahm schließlich das Angebot freundlicher Gartenbesitzer an der Strecke an, sich mit etwas Saft zu stärken. Da hatte er rund 30 Kilometer hinter sich und fasste den fatalen Entschluss, nach der Erfrischung noch ein paar Minuten zu rasten. Leider schlief der 20-Jährige auf der Stelle ein und erwachte erst, als das Rennen längst „gelaufen“ war.

Die Pointe der Geschichte: 54 Jahre später, Kanaguri Shisō ist inzwischen Professor, kehrte er zu Kilometer 30 in Stockholm zurück und beendete sein Rennen. Da ist er 75 Jahre alt. 


Heimvorteil in Paris?

Glaubt man den Läufern des Paris-Marathons von 1900, und manches spricht dafür, hatten Ortskundige einen gewissen Vorteil. So freute sich der US-Amerikaner Arthur Newton nach eigenem Bekunden, dass er bereits auf halber Strecke die Führung übernehmen konnte, ohne je wieder ein- oder gar übergeholt zu werden. Im Ziel gratulierte man ihm dann herzlich zu seinem fünften Platz, denn die Podest-Plätze waren leider schon vergeben. Der Olympiasieger hieß Michel Théato, der später oft als Pariser Bäckerjunge beschrieben wurde, tatsächlich aber aus Luxemburg stammte. Eine Überraschung war sein Sieg in jedem Fall, denn man kannte ihn im Marathonsport bis dato nicht.

Inwiefern die Proteste gegen das Rennen – neben dem Vorwurf der unerlaubten Abkürzung gab es noch andere, so zum Beispiel von der Polizei absichtlich irregeleitet worden zu sein – berechtigt waren, wurde nie abschließend geklärt. Théato jedenfalls trat 1901 beim Marathon von Lyon an und wurde hier immerhin Dritter. Lange dauerte seine sportliche Karriere nicht, was gesundheitliche Gründe hatte.

Per Anhalter zum Sieg

Ein Sieg mit 15 Minuten Vorsprung, das ist selbst beim Marathon eine Seltenheit. Eigentliches Staunen erregte der Amerikaner Fred Lorz 1904 beim Rennen in St. Louis aber mit seiner übermenschlichen Fitness. Er wirkte im Ziel trotz der läuferischen Höchstleistung frisch und munter. Die Erklärung ließ dann auch nicht lange auf sich warten: Lorz hatte schon recht früh im Rennen mit einem Krampf zu kämpfen und nahm daher das Angebot eines LKW-Fahrers dankbar an, ihn ein Stück des Weges mitzunehmen. Sein Einlauf war daher nur ein spontaner Scherz, begünstigt davon, dass der LKW kurz vor dem Marathon-Ziel den Dienst versagt hatte.

Neuer Sieger wurde nach dieser Enthüllung sein Landsmann Thomas Hicks, der sich im Vergleich zumindest weniger zu Schulden kommen ließ. Seine Betreuer hatten ihn auf der Strecke allerdings mit einem guten Schluck Brandy und einem kleinen Schuss Strychnin auf den Beinen gehalten. So richtig erlaubt wäre das wohl auch nicht gewesen.

Welche skurrile Marathon-Geschichten kennen Sie?
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media