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 Ultramarathon – über alle Grenzen hinaus
Running | 08.02.2016

Die längsten Distanzen: Ultramarathon

Ultramarathon – über alle Grenzen hinaus

.  (Quelle: Thinkstock )
Ultramarathon – Rennen für „Geist und Seele“
Bild: Thinkstock
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„Ich denke jeder Ultra ist in erster Linie Kopfsache wobei Mann/ Frau im Vorfeld schon eine gewisse Grundlage haben muss, speziell was lange Läufe angeht.” Mit diesen Worten macht Ultramarathonläufer Matthias Dippacher all jenen Mut, die sich nach ersten Lauf-Erfahrungen an die richtig langen Stecken wagen wollen. Und er rät dazu, es zu versuchen, da sich so „Geist und Seele öffnen“.


Wenn gestandene Marathonläufer von ihren 42,195 Kilometern erzählen, können Ultramarathonläufer eigentlich nur müde abwinken. Sie haben sich auf dieser Distanz gerade erst warm gelaufen, denn unter 50 Kilometern fängt es im Ultra-Bereich nicht an. Meist geht das Rennen über 100 Kilometer und mehr, aggressive Steigungen inklusive. Wer mitmacht, muss über seine Grenzen gehen und sich selber fragen: Warum tue ich mir das an?

Disziplinen im Ultramarathon – Die Auswahl ist groß

„Im Ziel habe ich mir erst mal gedacht, so was mach ich nie wieder…“, stellt Matthias Dippacher im Interview mit dynafit.com klar, dem auch die Anfangszitate entnommen sind. Er bezieht sich dabei auf den Eiger Ultratrail, den er da seit einigen Stunden hinter sich hat: 101 Kilometer, 6.700 Höhenmeter. Doch Dippacher setzt sofort hinzu, dass sich diese Sicht nach einer kurzen Erholung ändert. Dann gehe es im Kopf schon wieder um das nächste Rennen, um die Anstrengung, die einzigartige Atmosphäre und die grandiose Natur.

Der Ultramarathon kennt keine klaren Regeln. Er kann über mehrere Tage oder Stunden, mitten in der Stadt, auf dem platten Land oder in den höchsten Bergen ausgetragen werden. Die Strecke ist allerdings immer ultra-lang und die Anforderungen an die Aktiven sind ultra-hoch. Wie viele seiner Mitstreiter und Konkurrenten rennt Dippacher, einer der besten deutschen Ultra-Läufer aus Leidenschaft – seit seinem dritten Lebensjahr. Ohne dieses Brennen wären die Leistungen im Extrembereich wohl auch nicht abrufbar.

Beim Ultramarathon existieren Strecken- und Zeitrennen. Bei den Zeitrennen gibt der Veranstalter vor, wie lange die Sportler zu laufen haben. Los geht es mit sechs Stunden, aber auch 24-Stunden-Läufe sind nicht ungewöhnlich. Sieger ist derjenige, der in der vorgegebenen Zeit die größte Strecke bewältigt hat. Beim Streckenrennen ist es im Grunde umgekehrt: Hier steht die Distanz fest und es gilt, möglichst schnell zu sein. Auch Etappenrennen über mehrere Tage sind möglich, wobei die einzelnen Zeiten addiert werden, um den Gesamtsieger zu ermitteln.

Spektakuläre Ultramarathons

„Ultras“ sind eigentlich per se spektakulär, dennoch stechen einige Rennen heraus – diese hier zum Beispiel:

Der Marathon des Sables führt quer durch die Wüste Marokkos. In sieben Tagen legen die Läufer dabei etwa 250 Kilometer zurück. Die längste Etappe misst 80 Kilometer und muss von den Läufern in 48 Stunden bewältigt werden. Nächster Termin: 8. April 2016.

Der Swiss Iron Trail, das sind 200 Kilometer traumhaft schöne Bergwelt. Die Aktiven bezahlen das Panorama allerdings mit der Bewältigung von insgesamt 11.500 Höhenmetern. Start und Ziel ist Davos, die maximale Zeit beträgt laut Reglement 64 Stunden. Nächster Termin: 5. August 2016.

Der Ultra Marathon du Mont Blanc, kurz UTMB, zählt zu den Klassikern der Szene und zugleich zu den härtesten Bergrennen der Welt. 168 Kilometer und 9.000 Höhenmeter sind zu bewältigen. Trotz der enormen Anstrengung sind die Startplätze (meist 2.300) so begehrt, dass nicht alle Interessenten berücksichtigt werden können. Matthias Dippacher spricht vom „Champions League-Finale” aller Läufe.

Der längste Ultramarathon in Deutschland ist das Goldsteig Ultrarace. Es führt über eine Strecke von 661 Kilometern von Marktredwitz nach Neunburg vor dem Wald. Auf der Tour müssen die Läufer 19.000 Höhenmeter überwinden. 192 Stunden haben sie dafür maximal Zeit. Nächster Termin: 23. September 2016.

Ein ganz schräges Rennen

Wer glaubt, 661 Kilometer seien eine unglaubliche Strecke, dem fehlt der Vergleich zum Self-Transcendence 3.100 Mile Race in New York. Es dauert 52 Tage. Diese Zeit bleibt den Läufern, um die geforderten 4.989 Kilometer zurückzulegen. Dabei führt das 3.100 Mile Race keinesweg in „Forrest Gump“-Manier quer durch die ganzen USA. Die Läufer umrunden vielmehr wieder und wieder einen Häuserblock im New Yorker Stadtteil Queens. Eine Runde entspricht dabei 883 Metern.

Organisation in Deutschland

Seit 1985 gibt es mit der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung eine Organisation, die sich in Deutschland ausschließlich dieser Sportart widmet. Sie zählt 1.600 Mitglieder und gilt damit als weltweit führend. Der Deutsche Leichtathletik-Verband wiederum organisiert seit 1987 Rennen über 100 Kilometer.

Das Training – optimale Vorbereitung ist alles

Wer sich für einen Ultramarathon vorbereitet, sollte bereits den einen oder anderen Marathon absolviert haben. Experten empfehlen, im Training mindestens einen langen Lauf pro Woche zu absolvieren, also über mehrere Stunden zu laufen. Wichtig ist dabei, dass sehr langsam gelaufen wird. Nur so kann sich der Körper daran gewöhnen, über einen langen Zeitraum die Energie optimal einzuteilen. Nach dem langen Lauf sollte auf eine ausreichende Regeneration geachtet werden. Es empfiehlt sich also, zwei trainingsfreie Tage einzulegen.

Würden Sie sich einen Ultramarathon zutrauen?

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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