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 Immer mehr Kinder und Jugendliche sind zu dick
Fitness | 02.02.2016

Übergewicht bei Kindern

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind zu dick

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind zu dick.  (Quelle: Thinkstock)
Selbst Schuld? Zumindest nicht allein.
Bild: Thinkstock
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Ärzte und Lehrer schlagen Alarm. Immer mehr übergewichtige Kinder bevölkern die Praxen und Klassenzimmer. Meist geht es dabei nicht um ein wenig zu viel "Babyspeck", sondern um Fettleibigkeit. Das Gesundheitsrisiko ist hoch und Abhilfe verspricht nur eine komplette Lebensumstellung.


Wenn Klaus aus der Schule kommt, führt ihn sein erster Weg an den Kühlschrank. Dort findet er sein heißgeliebtes Glas mit Nougatcreme, das er vor dem Fernseher genüsslich auslöffelt. Klar, dass Klaus bei dieser fatalen Allianz aus Ernährung und Freizeitverhalten deutlich zu viel auf die Waage bringt.

Da nützt es ihm auch wenig, dass er mit seinem Problem alles andere als allein ist. In der 2007 veröffentlichten KiGGS Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wurde ermittelt, dass 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland an Übergewicht leiden. Tendenz steigend.

Bei sechs Prozent ist das Plus der Kilos so deutlich, dass von Adipositas, also einem krankhaften Übergewicht, gesprochen werden muss. Viele der Ursachen sind bekannt, ebenso die möglichen Folgen. Abhilfe zu schaffen gelingt jedoch nur schwer.

Die Ursachen

Das Robert Koch Institut als Auftraggeber der KiGGS-Studie hat die Daten genau ausgewertet und verschiedene Auslöser für das Übergewicht der Jüngeren ermittelt. Die falsche Ernährung selbst macht dabei nur einen Teil des Prozesses aus, denn Anlagen und Verhaltensmuster basieren auf Mustern aus der Vergangenheit, für die der jeweilige Junge oder das Mädchen nichts kann.

Wer der fatalen Entwicklung begegnen will, muss also – wie es sprichwörtlich so treffend heißt – das Übel bei der Wurzel packen. Folgende Risikofaktoren in der Familie spielen laut Studie eine Rolle:

Die lieben Eltern …

Elterliches Übergewicht; hohes Geburtsgewicht; eine starke Gewichtszunahme der Mutter während der Schwangerschaft; Rauchen der Eltern, vor allem der Mutter während der Schwangerschaft. Hinzu kommt die frühe Verabreichung von Flaschennahrung statt Stillen.

Das eigene Verhalten …

Zu diesen familiären Einflüssen kommt das Verhalten der Betroffenen, bei dem folgende Faktoren als Adipositas-fördernd ausgemacht wurden: wenig körperliche Aktivität und lange Sitz-Zeiten vor dem PC oder TV, geringe soziale Kontakte und zu wenig Schlaf, schließlich natürlich das ungesunde Essverhalten selbst.

Das Umfeld …

Auch die Schule wird in die Pflicht genommen, gilt doch mangelnde Betreuung ebenfalls als "Dickmacher". An Haupt-, Förder- und Sonderschulen ist der Anteil an fettleibigen Kindern und Jugendlichen besonders hoch.

Es lässt sich festhalten, dass viele Eltern schon vor der Geburt dafür sorgen, dass der Nachwuchs in Nöte geraten wird oder zumindest hochgradig gefährdet ist, später an Fettleibigkeit zu erkranken.

Hinzu kommt eine gewisse Verantwortungslosigkeit, die in sozial schwachen Schichten ausgeprägter ist. Eltern haben nämlich eine Pflicht, sich um die Gesundheit ihrer Sprösslinge zu sorgen, also auch gegen zu üppige Speckpolster vorzugehen. Dazu gehört es, hin und wieder 'Nein' zu sagen, gerade wenn es um Fastfood und Süßes geht. Denn die Folgen mangelnder Fitness sind schon in jungen Jahren gravierend.


Schwere Kinder, schwere Krankheiten

Kinder, die dauerhaft mit Übergewicht zu kämpfen haben, müssen mit einer ganzen Reihe von Problemen rechnen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat einige Langzeitfolgen ermittelt. So leiden übergewichtige Kinder häufiger an schlechten Blutwerten. Blutfette und Blutzucker gehen in die Höhe, das Risiko, an Diabetes oder an Herz- Kreislaufbeschwerden zu erkranken, steigt.

Auch die Knochen werden in Mitleidenschaft gezogen, denn sie müssen ein deutlich höheres Körpergewicht tragen. Vor allem die Gelenke sind betroffen und verschleißen schneller, auch ausgelöst durch Bewegungsmangel.

Letztendlich ist Übergewicht aber nicht nur ein körperliches Problem, auch die Seele wird belastet. Kinder, die deutlich zu viel Gewicht auf die Waage bringen, werden in der Schule oft verspottet und als Außenseiter gebrandmarkt. Das führt bei vielen zum Frustessen und damit zu noch mehr Speck auf den Hüften – ein verhängnisvoller Kreislauf.

Abhilfe – Abnehmen kann Spaß machen

Dabei ist gar nicht so schwer, einem übergewichtigen Kind zum Normalgewicht zu verhelfen. In erster Linie sind da die Eltern gefordert. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen und die Ernährung der ganzen Familie umstellen. Wenn der Vater den Schweinebraten genießt, während der Sprössling auf Diät gesetzt ist, sind die Probleme absehbar.

Es muss ja nicht nur Salat sein, auch leichte Fleischgerichte, frischer Fisch und natürlich jede Menge Gemüse sind beim ausgewogenen Ernährungsprogramm willkommen. Etwas Zeit und Wissen erfordert dies allerdings schon, denn Fertiggerichte sollten möglichst nie serviert werden.

Der zweite Schritt, der parallel erfolgen sollte, ist die Umstellung des Freizeitprogramms. Statt die Abende vor dem Fernseher zu verbringen, geht es nun zum Beispiel ins Schwimmbad. Der Sport im kühlen Nass macht Spaß, schont die belasteten Knochen und die Pfunde schmelzen wie von selbst.

Ist ein Kind allerdings wirklich adipös, sollte der Kinderarzt hinzugezogen werden. Er erkennt mögliche Krankheiten und kann wertvolle Tipps für die Abspeckkur geben. Ganz wichtig ist, dass die Familie nicht in den alten Schlendrian verfällt, wenn das gewünschte Ziel erreicht ist.

Nur eine dauerhafte Lebensumstellung führt zu langfristigen Erfolgen. Weitere Beratung bieten Krankenkassen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.


Hatten auch Sie als Kind mit Übergewicht zu kämpfen?

 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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