ISPO.com is also available in English ×
 Online-Shop – viel pro, wenig contra
Retail | 28.01.2016

Der Weg zum eigenen Onlineshop

Online-Shop – viel pro, wenig contra

.  (Quelle: Thinkstock)
Online-Shop – Millionen potentielle Neukunden
Bild: Thinkstock
Artikel bewerten:
Der Aufbau eines eigenen Online-Shops steht bei vielen Sporthändlern ganz oben auf der Agenda. Doch das Terrain ist fremd, die Zeit knapp bemessen und Profis teuer oder schwer zu finden. So wird das "Projekt Internet-Handel" immer wieder verschoben. Ein Fehler – denn die Vorteile überwiegen und der Aufwand ist überschaubarer als man denkt.


Das Szenario

Der Outdoor-Shop von, nennen wir ihn "Franz Sportmann", liegt in einer schmalen Gasse, an deren Ende die U-Bahn fährt. Auto an Auto schiebt sich vorbei, gerade zur Feierabendzeit kommen auch die Fußgänger. Die meisten wollen "ihre" Bahn erwischen.

Vom Laufpublikum allein könnte Sportmann nicht existieren. Doch das Geschäft gibt es seit mehr als 30 Jahren, da kommen auch viele Käufer aus der Nachbarschaft. Schließlich halten Sportsocken nicht ewig und der Tennisschläger muss von Zeit zu Zeit neu bespannt werden.

So weit, so gut, für den Moment zumindest. Tatsächlich aber halten die neuen Laufsocken dank Polygiene-Technologie inzwischen länger – zumindest länger, als Sportmann lieb ist. Und so mancher Nachbar macht inzwischen einen kleinen Bogen um seinen Laden, denn das Gewissen drückt: Man hat halt doch online geordert, bequem und günstig obendrein.

Gründe, in den Online-Handel einzusteigen, gibt es für Sportmann schon lange. Das eigentlich Problematische aber ist: Die Zeit arbeitet gegen ihn. Der Umsatz stagniert, die Kosten steigen. Ein neuer Vertriebsweg ist kaum noch "nice-to-have". Er ist zwingend.

Die Protagonisten

"Sportmanns" gibt es viele in Deutschland, die meisten sind größer als man selbst. Karsten Hollasch von der Unternehmensberatung Deloitte zufolge ist Deutschland sogar "der größte Sporthandelsmarkt in Europa". Auf dem Sieben-Milliarden-Euro-Markt tummeln sich viele internationale Anbieter wie Intersport, neue Konkurrenten aus dem Ausland wie Ochsner Sport oder Hervis kommen hinzu. Anbieter wie "Sport2000" wiederum bündeln hunderte Sportgeschäfte auf einer Plattform, auf der die Kunden dann auch Läden in ihrer Nähe finden können. Alle sind sie online präsent.

Die Strategie

Online-Handel ist noch keine Strategie, aber eine zeitgemäße Voraussetzung dafür. Denn zum Überleben bedarf es mindestens zweier Voraussetzungen: Man muss als Händler die eigene Nische finden und man muss als Händler gefunden werden. Wer im Internet an irgendeiner "Gasse" steht, wird auch hier zu wenig "Laufkundschaft" erreichen.

Über den günstigsten Preis das große Geschäft zu machen, wäre dank der immensen Zahl der erreichbaren Online-Kunden zwar theoretisch möglich, realistisch ist das aber nicht: Zu viele große Konkurrenten können aufgrund besserer Einkaufskonditionen auch günstiger anbieten. Zur Verkaufsförderung bedarf es da anderer Wege.


Die Praxis – Schritt für Schritt

Um einen eigenen Online-Shop zu eröffnen, braucht es heute weder gehobene Programmier- noch Designkenntnisse. Mehrere E-Commerce-Unternehmen bieten Shop-Lösungen im Baukastenprinzip an, so zum Beispiel die Hamburger ePages GmbH, Jimbo oder Websale. Ein funktionierender Webshop ist in wenigen Tagen gebaut und nach einigen Wochen auch online. Dann stehen die notwendigen Zusatzverträge mit den Logistikern oder Zahlungsanbietern, um zum Beispiel die bereits vorangelegte Kreditkartenfunktion mit Leben zu erfüllen.

Kostenfrei sind Aufbau und Betrieb eines Online-Shops nicht, große Anfangsinvestitionen gibt es aber auch nicht. So kostet die Nutzung des jeweiligen Shop-Systems zwischen 9 und 99 Euro im Monat, große Mittelstandslösungen mehr. Hinzu kommen Transaktionsgebühren – oft verbunden mit einer Mindestgebühr von z.B. 50 Euro monatlich. Läuft das Geschäft nicht, sollten die Fixkosten aber unter 100 Euro monatlich bleiben können, bei kurzen Kündigungsfristen.

Zu den großen Vorteilen der Baustein-Shops zählt, dass viele Anbindungen schon realisiert sind. So wird auch ein zusätzlicher Verkauf über Amazon oder eBay wesentlich erleichtert. Um bei Google besser gefunden zu werden, schlägt das System eigenständig mögliche Verbesserungen vor. Wer in Preissuchmaschinen präsent sein will, kann seine Produkte direkt aus dem Shop-System auf andere Plattformen hochladen. Auch die Versandetiketten etc. werden auf Knopfdruck erstellt.

Das Einkaufen für die Kunden wiederum ist leicht, da viele Usability-Erfahrungen im Shop-Grundgerüst bereits berücksichtigt sind. 

Die Aussichten

Die Hürden für den eigenen Online-Shop sind also gering. Oft liegen sie eher in uns selbst, als im realen Aufwand begründet. Der große Vorteil: Es ist leicht auszutesten, was geht. Allerdings währt die Freude über den eigenen Auftritt nur kurz, wenn das Konzept nicht stimmt. Es braucht also einen Plan, was wie verkauft werden soll. Stellt man die Frage nach der Auffindbarkeit (fahrlässig) hinten an, gibt es dabei im Grundsatz folgende Möglichkeiten:

⦁ Ich biete ein Produkt an, das einmalig ist. Das klingt zwar ziemlich schwierig, ist es aber nicht. Wer sich gut auskennt, kann nämlich Produktpakete schnüren, die dem Kundeninteresse entsprechen, aber als Bundle nicht verfügbar sind. So entgeht man als Händler zugleich ein stückweit dem harten Preisvergleich.
⦁ Ich biete ein Portfolio an, das der Konkurrenz überlegen ist. Meist gelingt dies nur in einer sehr engen Nische, aufgrund der weiten Verbreitung kann das aber genügen. 1000 verschiedene Tischtennisbälle, wer hat das schon?
⦁ Ich biete Produkt-Beschreibungen und Zusatzinhalte, die der Kunde sucht. Mega-Anbieter arbeiten oft mit Standard-Beschreibungen, die leicht zu schlagen sind. Denn hier hat der "Inhalts-Mann" das Produkt selbst oft nie gesehen oder gar benutzt. Er wird kaum in der Lage sein, Stärken und Schwächen hilfreich darzustellen.

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass On- und Offlinehandel starke Synergien haben. So lässt sich der Versand bis zu einer gewissen Größenordnung in den üblichen Geschäftszeiten regeln, ebenso die Kundenberatung – nur eben jetzt im Chat statt Vis-à-vis. Das bedeutet zugleich, dass der stationäre Handel von den Erfahrungen profitieren kann, die man beim Umgang mit den Online-Kunden macht. Manche Frage zum Langlauf, die jetzt vom potentiellen Käufer aus Ruhpolding kommt, hat man sich bisher vielleicht nie gestellt. Nun hilft sie, das Sortiment zu verbessern.

Fazit

Aufwand und Risiko sind gering, die Chancen mit ein bisschen Vorbildung groß. Es wird Zeit, online loszulegen. 

Sehen Sie Gründe, sich nur auf das Laden-Geschäft zu konzentrieren?
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media