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 Innovation: "Sportunternehmen müssen kreativ sein"
Innovation | 08.02.2016

Neue Serie zum Thema Innovation

„Bei der Förderung müssen Sportunternehmen kreativ sein"

Innovation: "Sportunternehmen müssen kreativ sein". Portraitbild von Martin Strehler von der Innovationsmanufaktur
Weiß, worauf es bei Fördermitteln für die Sportindustrie ankommt: Martin Strehler von der Innovationsmanufaktur.
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Wer für ein innovatives Projekt oder das bestehende Unternehmen von Fördertöpfen profitieren möchte, steht vor einigen Herausforderungen – in der Sportindustrie gilt das ganz besonders. Martin Strehler ist Förderexperte bei der Münchner Agentur Innovationsmanufaktur und weiß, auf was Gründer und Unternehmer besonders achten sollten, bevor der Förderantrag verschickt wird.

Herr Strehler, es gibt unzählige Fördermöglichkeiten. Ob lokal oder national, ob europäisch oder weltweit angelegt. Und sie alle stellen unterschiedliche Anforderungen an den Antragsteller. Wie behält man da den Überblick?
Das ist in der Tat gar nicht so einfach. Selbst Profis schaffen es meist nicht, die komplette Förderlandschaft im Blick zu behalten, sondern verfolgen vor allem die Bereiche, auf die sie sich spezialisiert haben. Ich empfehle, sich zunächst einen groben Überblick zu beschaffen, was es überhaupt an Möglichkeiten gibt. Das hilft dabei, ein Gespür zu entwickeln.

Im nächsten Schritt sollte man das Thema aber von der anderen Seite aus angehen und für sich selbst ein konkretes Ziel definieren: In welche Richtung will ich? Dann kann man gezielt nach passenden Fördermöglichkeiten weitersuchen. 


Welche Fördermöglichkeiten gibt es speziell für die Sportindustrie?
Es gibt einige Angebote im Bereich des Spitzensports und was die Entwicklung von Sportstätten betrifft. Hersteller von Sportartikeln oder Sportgeräten können aber nicht auf eigene, spezielle Förderprogramme zurückgreifen. Sie müssen gewissermaßen kreativ werden und sich in verwandten Branchen umsehen.

Wenn Ausschreibungen auf den ersten Blick nicht zu passen scheinen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Ein Unternehmen, das innovative Wearables entwickeln möchte, könnte beispielsweise bei Förderprogrammen rund um Technologie, High-Tech und Mensch-Technik-Interaktion fündig werden.

Wie können Gründer oder Unternehmer ihre Chancen auf Förderung einschätzen, noch bevor sie den Antrag losschicken?
Oft helfen Erfahrungswerte. Im Fall von EU-Fördermitteln beispielsweise geht die Förderung immer wieder in eine neue Runde, in der immer wieder neue Projekte ausgewählt werden. Indem man sich anschaut, wie viele Anträge in den letzten Runden eingereicht und wie viele davon angenommen wurden, lässt sich die eigene Chance ein Stück weit abschätzen.

Generell gilt: Bei Förderungsangeboten auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene fließt weniger Geld, dafür steigt meist die eigene Chance, berücksichtigt zu werden. Auf europäischer oder internationaler Ebene winkt zwar eine Förderung in Millionenhöhe, aber dafür ist die Wahrscheinlichkeit tendenziell geringer, ausgewählt zu werden. Zudem ist der bürokratische Aufwand nicht zu unterschätzen. Und ohne ein hochkarätiges Konsortium wird es ohnehin schwierig.

Die Fünf Schritte der erfolgreichen Förderung. (Quelle: InnovationsManufaktur)
Die Fünf Schritte der erfolgreichen Förderung.
Bild: InnovationsManufaktur

Wieso ist es sinnvoll, Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen?
In vielen Fällen ist es sogar unerlässlich. Im Bereich der KMU-Förderung und bei kleineren Projekten kommt es schon einmal vor, dass man sich als Unternehmen alleine bewirbt. Geht es aber um größere Forschungskooperationen, dann schreibt beispielsweise die EU mindestens drei Partner aus drei verschiedenen EU-Ländern vor. Sie sollen dann gemeinsam mit ihren jeweiligen Stärken einen Mehrwert generieren, zu dem sie alleine nicht imstande wären.

Aus wie vielen Unternehmen besteht ein solches Konsortium in der Regel?
Teilweise kommt es zu länderübergreifenden Kooperationen mit 20 Partnern oder mehr. Für ein erstes beantragtes Förderprojekt sollte man aber ein Konsortium mit maximal zehn Partnern anstreben, um sich mit dem Wesen eines kooperativen Forschungsprojektes vertraut zu machen. Die Chancen auf Förderung steigen, wenn sich eines der teilnehmenden Unternehmen bereits in der Förderlandschaft auskennt – oder dort vielleicht sogar einen guten Namen hat.


Was ist bei der Antragstellung zu beachten?
Wer mit anderen Unternehmen kooperiert, sollte diese zunächst sorgfältig aussuchen und frühzeitig involvieren. Schließlich kann es sein, dass man von nun an drei Jahre in einem Forschungsprojekt zusammenarbeitet. Und häufig zeigt sich schon in der Anbahnungsphase, wie gut sich welcher Partner in die Arbeit einbringt.

Im nächsten Schritt gilt es, die Projektskizze sorgfältig vorzubereiten. Hier sollte man sich möglichst genau an den Anforderungen orientieren, die in der Ausschreibung gestellt wurden. Auch auf bestimmte Keywords in der Ausschreibung sollten Antragsteller achten – und sie idealerweise mit in ihr Proposal aufnehmen.

Angenommen, der Antrag war erfolgreich und die Förderung wurde bewilligt. Was gibt es jetzt noch zu tun?
Sobald das Projekt startet, müssen die geförderten Unternehmen in regelmäßigen Abständen Zwischenberichte und Arbeitsnachweise abliefern. Darin dokumentieren sie beispielsweise, ob der Zeitplan eingehalten wird und vorher gesetzte Meilensteine erreicht wurden. Das kann zwar teilweise aufwendig sein, klar ist aber auch: Sobald die Förderung genehmigt wurde, ist die wichtigste Hürde genommen und den Innovationen steht nichts mehr im Wege.


Lesen Sie hier alle Teile der Fördermittel-Serie:

Felicitas Wilke schreibt für ISPO.com. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Felicitas Wilke, Autorin
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