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 Jobperspektiven: Der Fitness-Trainer von Morgen
Fitness | 01.12.2015

Jobperspektiven

Functional Training bis Regeneration: Was der Fitness-Trainer von morgen wissen muss

Jobperspektiven: Der Fitness-Trainer von Morgen. Crossfit: Langhanteltraining  (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Crossfit: Langhanteltraining ist ein zentrales Element - die richtige Ausführung ist entscheidend
Bild: Thinkstock über The Digitale
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Fitness boomt: Studios schießen wie Pilze aus dem Boden und locken mit immer neuen Angeboten. Kein Wunder also, dass viele Sportbegeisterte ihrer Leidenschaft auch beruflich nachgehen wollen. Doch was benötigt der Fitnesstrainer von morgen wirklich?

Ein paar glänzende Geräte zu zeigen, das reicht schon lange nicht mehr. Vom Functional Training bis hin zur Regeneration – der Fitnesstrainer von morgen muss seine Kenntnisse auf immer neue Bereiche ausdehnen. Die Ursache dafür liegt wohl hauptsächlich in der schnell expandierenden Branche selbst, in der auch etablierte Unternehmen wie “Fitness First“ oder “McFit“ unter Druck geraten. Auf das Aufblühen der Konkurrenz wie “CleverFit“, “MsSporty“ oder “Hard Candy“ reagieren sie mit immer neuen Serviceangeboten, oft im verlockenden Discount-Bereich.

Von Crossfit über Zumba bis hin zu Bodypump oder dem klassischen Muskelaufbautraining – die Bandbreite der möglichen Aktivitäten ist heute schier unerschöpflich. Zwangsläufig steigen damit auch die Ansprüche an den modernen Fitnesstrainer. Die sportbegeisterte Kundschaft will sich schließlich in allen Bereichen gut betreut wissen, womit auch schon der zweite "Faktor" für die steigenden Anforderungen benannt ist: Der Kunde selbst.

Vorwissen und steigender Anspruch im Job

Vorbei sind die Zeiten des unwissenden Sportmuffels, der sich nahezu willenlos unter die Fittiche seines Fitnesstrainers begibt. Der moderne Kunde bringt Vorwissen mit. Parallel zum Fitnesswahn hat sich nämlich ein weiterer Trend entwickelt – die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Ob bei den Methoden des Krafttrainings, in Fragen der Ernährung oder bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln: Viele sehen den menschlichen Organismus längst nicht mehr als funktionellen Apparat, sondern entwickeln ein intensives Bewusstsein für den eigenen Körper.

Insbesondere das Thema Ernährung nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Nahrungsmittel dienen nicht mehr allein dem augenblicklichen Genuss, sondern sollen den Körper mit den Nährstoffen versorgen, die er tatsächlich benötigt. Man ernährt sich vegetarisch oder vegan und schöpft aus der reichhaltigen Angebotspalette der Nahrungsergänzungsmittelindustrie. Plötzlich wissen sogar Teenager, welche Inhaltsstoffe das eben verzehrte Käsebrötchen hatte – eine ebenso positive wie irritierende Entwicklung.

Der Trainer von morgen – das Mädchen für alles?

Der Trainer von morgen muss sich deshalb auch über die Grundlagen der Ernährungslehre hinaus informieren und ständig weiterbilden. Das Thema der Nahrungsergänzungsmittel/Supplements ist dabei besonders hervorzuheben. Ob Freizeitathlet oder Leistungssportler – nie wurden so viele Zusatzstoffe konsumiert wie heute. Es empfiehlt sich für den Fitnesstrainer in diesem Bereich kundig zu sein, um seine Kunden kompetent über die Angebotsflut beraten zu können.

Im Fokus der Kundschaft steht ein weiteres Thema. Es heißt: Regeneration. Die Redewendung “Sport ist Mord“ kommt schließlich nicht von ungefähr und so bildet die Erholung einen elementaren Bestandteil der Trainingslehre. Für die Leistungssteigerung ist Regeneration enorm wichtig. Von Massagetechniken über autogenes Training bis hin zur Optimierung der Schlafgewohnheiten – all das sollte ein Fitnesstrainer zumindest gehört haben.

Nicht selten müssen sich Fitnesstrainer in ihrem Job also mit gut informierten Klienten auseinandersetzen, die sich nicht mit standardisierten Trainingsplänen zufrieden geben und stattdessen eine individuelle Rundum-Betreuung erwarten. An dieser Entwicklung ist grundsätzlich nichts auszusetzen, auch wenn das Beharren auf gefährlichem Halbwissen aus dem Internet immer wieder zu Ärger zwischen Kunden und Trainer führen kann. Egal ob berechtigter Anspruch oder falsche Vorstellung: Die Ansprüche an den Trainer und damit an die Jobs in der Fitnessbranche steigen, was sich in der Ausbildung niederschlagen muss. Wer sich gegen die Konkurrenz durchsetzen will, muss nicht zuletzt in Ausbildung investieren. Discount-Angebote allein helfen da nicht.

Kommunikationsstärke und Sympathie – was macht einen guten Fitnesstrainer aus?

Fitness- und speziell das Personaltraining basieren zu einem großen Teil auf Sympathie und kommunikativen Fähigkeiten. Kein Kunde würde sich und sein Erspartes einem schlecht gelaunten Miesepeter anvertrauen, selbst wenn dieser eine tadellose Ausbildung vorweisen kann. Eine positive Ausstrahlung, Kommunikationsstärke und ein gesundes Maß an Menschenkenntnis sollten daher elementare Eigenschaften eines guten Fitnesstrainers sein. Fingerspitzengefühl im Umgang ist gefragt, was voraussetzt, die individuellen Bedürfnisse des Klienten wahrzunehmen. Schließlich geht es vordergründig darum, zu motivieren und nachhaltigen Spaß am Fitnesssport zu vermitteln.

Auf der anderen Seite, und das ist kein Gegensatz, geht es schlicht um Selbstvermarktung und den Verkauf sogenannter Trainingspakete. Ob selbständiger Personaltrainer oder angestellter Fitnesstrainer – in beiden Fällen soll eine Dienstleistung angeboten werden, so effizient wie möglich.

Neben den sogenannten "Soft Skills" dürfen die harten Fakten im Profil eines Fitnesstrainers nicht fehlen. Ein solides sportwissenschaftliches Fundament sollte daher die Grundlage einer jeden Trainer-Ausbildung im Fitnessbereich sein. Um den Körper als Bewegungsapparat verstehen zu können, spielen zunächst Kenntnisse zur menschlichen Anatomie, zur Physiologie und insbesondere zur Biomechanik eine wichtige Rolle. Ebenfalls von Bedeutung sind die Grundlagen der Trainings- und Ernährungslehre sowie die Körpertypbestimmung.

Um Senioren oder vorgeschädigte Personen adäquat trainieren zu können, empfehlen sich zudem grundlegende Kenntnisse der Krankheitslehre wie etwa zu Bluthochdruck, Diabetes, zur Bandscheiben-Symptomatik oder zu Adipositas. Nicht zuletzt sollten die unterschiedlichen Trainingsbereiche wie Kraft-, Cardio- oder Functional Training bekannt sein.

Die Qual der Wahl – Der Weg zum Fitnesstrainer

Die Ausbildung für Fitnesstrainer ist grundsätzlich in drei Stufen zu unterteilen. Den Grundstein bildet die C-Lizenz, in der dem angehenden Trainer erstes Basiswissen vermittelt wird. Die C-Lizenz wird auch als Einstiegsebene bezeichnet. Es folgt die B-Lizenz, die mittlere Ebene, in der das Basiswissen weiter vertieft wird und spezielle Kenntnisse, beispielsweise zur Krankheitslehre, erworben werden.

Den höchstmöglichen Abschluss bildet schließlich die A-Lizenz, die das bisher Gelernte weiter vertieft und den Fokus besonders auf das Training von Leistungssportlern richtet. Sie wird auch als obere Ebene bezeichnet. Der A-Lizenz übergeordnet ist lediglich die Diplomebene, der ein Studium vorausgehen muss.

Angeboten werden die Lizenzen sowohl von privaten Trägern wie der “Akademie für Sport und Gesundheit“, der “SAFS Beta“ oder der “Academy of Sports“ als auch von öffentlichen Einrichtungen wie etwa Sportvereinen. Die Ausbildung findet zumeist in Wochenendseminaren, Kompaktkursen oder in Form eines Fernstudiums statt. Da es sich bei der Bezeichnung “Fitnesstrainer“ um keine geschützte Berufsbezeichnung handelt, ist auch die einheitliche Qualität der Ausbildungen nicht immer gewährleistet.

Wichtig daher: Bei der Auswahl der Ausbildungsstätte sollte immer geprüft werden, ob die Ausbildung staatlich anerkannt ist und mit einem Zertifikat abschließt.  

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