ISPO.com is also available in English ×
 Zivilisationskrankheit Stress: Mittel gegen den Burnout
Gesundheit | 29.11.2015

Stress abbauen und vermeiden

Zivilisationskrankheit Stress: Mittel gegen den Burnout

Zivilisationskrankheit Stress: Mittel gegen den Burnout . Eine Frau stützt sich gestresst an eine Wand. (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Den gesunden Rhythmus verloren – Dauerbelastung macht uns krank.
Bild: Thinkstock über The Digitale
Artikel teilen:
Artikel bewerten:
Dem Hamsterrad aus Überforderung, Belastung und ständiger Erreichbarkeit ist nicht zu entkommen? Doch. Denn auch wenn der Stress und die Angst vorm Versagen zu den gefährlichsten Problemen unserer Zeit gehört, gibt es Mittel und Wege dagegen. Wer es probiert, wird überrascht sein: Schon kleine Änderungen helfen oft gewaltig.

„Auch das noch!“ „Wie soll ich das bloß schaffen?“ – Termine im Job, die Projekte stapeln sich am Arbeitsplatz, der Chef ist unzufrieden. Der Haushalt bleibt liegen, die Kinder machen Probleme und die lieben Kollegen zerreißen sich das Maul. Dazu klingelt ständig das Handy und das Postfach quillt vor E-Mails über. Die Aufgaben nehmen kein Ende. Dabei hat auch dieser Tag nur 24 Stunden.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO zählt der chronische Stress zu den „größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts“. Kein Wunder, führt er doch zu mannigfaltigen gesundheitlichen Problemen. So steigt das Herzinfarktrisiko beträchtlich und den Betroffenen droht ein Burnout, was fast zwangsläufig zu Ausfallzeiten führt, nicht nur im Job.
Stress kostet das deutsche Gesundheitssystem alljährlich mehrere Milliarden Euro.

Schon Schüler klagen über Stress und Überforderung. Nicht selten verstärken ehrgeizige Projekte in der Freizeit vom Sprachkurs über Reiten, Instrumentalunterricht und Sportverein die Belastung und tragen zur Steigerung des Burnout-Risikos bei.

In einer 2013 von der Techniker Krankenkasse initiierten Forsa-Umfrage gab ein Fünftel der Befragten an, sich häufig gestresst zu fühlen. In einer aktuellen Selbsteinschätzung auf dem Statistikportal statista.de sprach sogar jeder Vierte davon, dauernd mittlerem Stress ausgesetzt zu sein und unter Angst zu leiden.


Zur Stressvermeidung Stecker ziehen

Es steht außer Frage: Hier muss etwas passieren. Zunächst scheint ein Umdenken notwendig, denn nicht selten funktioniert Stress auch als Statussymbol: Wer gestresst ist, wird gebraucht, ist aktiv, bringt unter Druck Leistung.

Das Statistische Bundesamt verzeichnet, dass der Stress am Arbeitsplatz bei den 45- bis 54-Jährigen besonders hoch ist. „Schatz, ich komm gleich ins Bett, will nur schnell noch die Mails checken“, dieser Satz, mit der Zahnbürste im Mund und dem Handy in der Hand genuschelt, klingt nach Komödie und ist doch real.

Die neue Technik mit Smartphone und Co. ist Fluch und Segen zugleich. Dank der ständigen Erreichbarkeit verschwimmen die Grenzen von Job und Privatleben immer mehr. Es ist ebenso schwierig wie notwendig, rechtzeitig den Stecker zu ziehen, selbst wenn dazu die WLAN-Verbindung abgeschaltet werden muss.

Damit permanenter Stress als alltägliches Phänomen nicht den Schlaf raubt, das Liebesleben zum Erliegen bringt und krank macht, gibt es einige einfache Rezepte, einer Überforderung den Kampf anzusagen und fit zu bleiben:

Gegen Stress und drohenden Burnout

Wellness: Abschalten und runterkommen bei einem duftenden Vollbad mit Lavendel-Badeöl – ein knappe halbe Stunde im wohlig warmen Wasser sorgt für Beruhigung und Erholung vom Tag. Dazu vielleicht Kerzenschein und leise Musik, damit wird die Wellness-Behandlung in den eigenen vier Wänden zum Entspannungserlebnis.

Ausdauersport: Joggen, Nordic Walking oder Yoga helfen dabei, fit zu bleiben und den ungesunden Stress des Tages „abzuarbeiten“. Vor allem das körperliche Auspowern an der frischen Luft bringt neue Energie und baut angestaute Verspannungen ab. Man steigert Health und Fitness und baut gleichzeitig Stress ab.

Vorsorgen: Es sollte eine Option für absolute Notfälle bleiben, nicht erledigte Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Fast immer können die begonnenen Projekte bis zum nächsten Tag warten. Wehret den Anfängen: Hat man einmal den beruflichen Schreibtisch mitgenommen, wird es schnell zur Gewohnheit – also Vorsicht und lieber eine halbe Stunde länger im Büro bleiben.


Autogenes Training: Wenn es abends im Bett nicht gelingt, zur Ruhe zu kommen und den „Kopf abzuschalten“, ist Autogenes Training eine gute Entspannungsmethode. Sie beruht auf einer Art Selbst-Hypnose, bei der man sich in einen Trance-ähnlichen Zustand versetzt und bei ruhiger Körperhaltung kurze formelhafte Sätze wie „Mein Körper ist ganz ruhig“ oder „Meine Arme werden schwer“ mehrmals wiederholt. Somit lässt sich die Entspannung schematisch erreichen. 

Autogenes Training kann in Gruppen beispielsweise an der Volkshochschule oder bei einigen Ärzten, aber auch mit Büchern oder im Internet erlernt werden. Hat man es verinnerlicht, lässt es sich in nahezu jeder Körperhaltung und Situation zur inneren Entspannung anwenden.

Progressive Muskelentspannung: Diese Technik funktioniert mithilfe der bewussten Kontraktion einzelner Muskelgruppen. Dabei wird die ganze Aufmerksamkeit auf diese An- und Entspannungsphasen gerichtet, die jeweils kurz gehalten werden. Durch die gezielte Konzentration verbessert sich nicht nur die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Mit etwas Übung gelingt es, Verspannungen zu lösen und Unruhe und Stress abzubauen. Anleitungen gibt es auch hier in der Literatur, in Kursen oder im Internet.

Planung: Vorausschauendes Handeln kann helfen, Stress schon im Vorfeld zu vermeiden. Unumgängliche Aufgaben rund um Haushalt und Familie werden damit berechenbarer. Listen für die Tages- oder Wochenplanung sorgen außerdem dafür, dass im alltäglichen Trott nichts vergessen wird. Vielleicht ist es auch eine Option, nicht zu viel von sich selbst zu erwarten. Perfektionismus kann zur Stressfalle werden.

Delegieren: Es lohnt darüber nachzudenken, inwieweit sich Belastungen auf mehrere Schultern verteilen lassen. Ebenso wie alltägliche Haushaltspflichten von allen Mitbewohnern gemeinsam erledigt werden sollten, kann Zusammenarbeit im Job effektiv sein. Wer sich für unentbehrlich hält, hat noch mehr Stress und steigert die Belastung am Arbeitsplatz.

Positiv denken: Letztlich helfen die besten Entspannungstechniken nicht grundlegend gegen unaufschiebbare Termine, Überstunden, Zeitdruck und private Sorgen. Aber mit Stress lässt sich umgehen. So einfach es auch klingt, schon eine positive Grundeinstellung – „Ich schaffe das, wäre ja gelacht“ – kann Wunder wirken.

Und zu Hause lässt sich mit ein paar für alle Familienmitglieder verbindlichen Verhaltensregeln – vielleicht: kein Handy bei Tisch und im Schlafzimmer – der Druck abbauen. Grenzsetzungen, eventuell auch für berufliche Partner und den eigenen Chef, sind nicht ohne Mühe zu realisieren. Sie können aber der Erhaltung des Seelenfriedens und der körperlichen Gesundheit dienen. Ein Burnout schadet letztlich nicht nur Ihnen.

   

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media